...so heisst es in einem alten Volkslied. Wer dieses Schauspiel schon einmal am eigenen Leib erfahren hat – irgendwo in der Höhe, der weiss, was damit gemeint ist. Es riecht nach Freiheit, nach Weite, aber auch nach tiefer Verwurzelung mit der Natur, nach dem eins sein mit sich selber. Und obwohl der Betrachter mit den Füssen auf dem Boden steht, hat er doch den Kopf, und vielleicht auch ein Stück von seiner Seele in den Wolken.
Sehr verehrte Damen und Herren
Seit dem 23. Mai 2001 ist mir klar, wohin der viel besungene Sonnenstrahl jeweils flieht. An diesem Mittwoch morgens um 6 Uhr 30 fühlte er sich wie magisch angezogen, an einem göttlichen Ort auf 8850 Meter, da wo Neid, Hass und kleinkariertes Schubladendenken keinen Platz haben, einen ganz besonderen Menschen zu bestaunen und willkommen zu heissen. Ob es jedoch dem herbeisausenden Sonnenstrahl klar gewesen ist, dass er nicht nur der ersten Schweizerin auf dem Mount Everest Körper und Seele aufwärmt, sondern dem neuen Thuner Tagblatt Kopf 2001 – der Beatenbergerin Evelyne Binsack, welche mit dieser grossartigen Leistung einmal mehr eine Männerdomäne frech und keck durchbrochen hat, entgegengeblinzelt hat.
Obwohl auf dem Berggipfel kein olympisches Gold zu gewinnen ist, hat sie sich vor Jahren das ganz persönliche Ziel gesteckt und die 8850 Meter hohe Herausforderung angenommen, sie hat sich mit eisernem Willen und grossem Selbstvertrauen, aber auch mit einer Portion Angst und Zweifel an die lange Vorbereitung gemacht. Ja, auch Angst hat ihren Weg auf den Mount Everest prägt. Aber als „Horizontbetrachterin“ hat sie sich trotz oder gerade wegen der Angst weiterentwickeln können, hat die Neugier sie gelockt, aufzubrechen, auf ihre „Schritte in die Grenzenlosigkeit“. Das hat sie vorwärts getrieben und bei allen Strapazen zum Durchhalten angestachelt, ohne, dass sie dabei leichtsinnig worden wäre, und die Angst hat sich nach und nach verwandelt in unendlich grossen Respekt vor diesem Berg.
Wie sie dann wirklich und wahrhaftig auf dem Gipfel gestanden ist, auf dem kleinen aber gäbigen Plätzchen zum höckle – so hat sie an der Feier zu ihrer Ehre auf dem Beatenberg scherzhaft gesagt, - da hat sie ihr grosses Ziel erreicht gehabt. Nein, halt, stimmt nicht ganz. Vor dem Aufstieg hat sie sich vorgestellt, wie riesig man sich vorkommen müsse, da oben zu stehen. Und oben hat sie gemerkt, wie winzig klein man in Wirklichkeit ist, und dass das Ziel erst dann ganz erreicht ist, wenn man wieder heil unten ist und sich wieder von neuem nach oben sehnt.
Dort oben auf 8850 Meter, dem Liebengott in Meter gemessen am nahesten, ganz alleine und rundherum nur die überwältigende Aussicht auf die Welt, die einem zu Füssen liegt, dort hat sich dann das extrem starke Gefühl eingestellt, von dem sie lange Zeit geträumt hat: so nahe bei sich selber, wie nie zuvor, mit dem Wissen, die eigenen Grenzen mehr als nur überschritten zu haben.
Liebe Anwesende, stellen sie sich diese Situation einmal bildhaft vor. Sehen sie diesen riesigen Ozean aus Bergen und Tälern, spüren sie die eiserne Kälte, den beissenden Wind, der durch die Berge peitscht und sogar durch die dicken Kleider dringt.
Wir können nur probieren nachzuvollziehen, was Evelyne Binsack gemeint hat, als sie in ihr Tagebuch schrieb: „Man macht einen Schritt und hat keine Ahnung, woher man die Kraft für den Nächsten nimmt.“
Als fantastische Botschafterin trägt Evelyne Binsack ihre Mission in die Welt hinaus: Der Respekt vor der Natur und vor anderen Menschen. Bei solchen stetigen Höchstleistungen haben Neid und Verachtung keinen Platz. Und von dieser Mission von Evelyne Binsack könnten sich einige aus Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Medien ein grosses Stück abschneiden.
Die Evelyne Binsack sagt es in einem Interview noch präziser: „Ich hasse nichts mehr als Leute, die das Leben so furchtbar ernst nehmen. Das sind dann auch die, die sich selber so furchtbar ernst nehmen. Das macht mir keinen Eindruck“ so sagt sie. Eine solche starke Haltung wird selbst mit der besten Marketing-Strategie kein Wichtignehmer erreichen können, da braucht es schon Mut und Bereitschaft, über den Horizont hinaus zu schauen und aussergewöhnliche Leistungen, die in keinem Lehrbuch stehen, anzuerkennen.
Vielleicht ist es kein Zufall, dass von der Leserschaft vom Thuner Tagblatt einmal mehr jemand geehrt wird, der auf eine etwas verrückte Art und Weise auf sich aufmerksam gemacht hat. Vielleicht dürstet es die Leserinnen und Leser schon lang nach vermehrt positiven Schlagzeilen und Nachrichten, die Mut geben und wegweisend sind. Und genau dieser Mut, diese Zuversicht und positive Grundeinstellung weckt Evelyne Binsack mit ihrer ganz persönlicher Leistung.
„Luegit vo Bärg und Tal, s’chunt scho ä nöie Sunnestrahl...“, in dem Sinne, herzliche Gratulation Evelyne Binsack und die besten Wünsche für weitere Schritte in die Grenzenlosigkeit.
D’Wält brucht ganz viel Mönsche wie Dich Evelyne.