Auf der Suche nach möglichen Faktoren, die sich positiv oder negativ auf das körperliche Wohlbefinden auswirken, bin ich auf eine sehr interessante wissenschaftliche Arbeit von Dieter Frey gestossen. Der Münchener Professor wurde 1998 für seine Forschungen mit dem Deutschen Psychologie Preis ausgezeichnet. Er hat unter anderem 300 Patienten von der unfallchirurgischen Abteilung der Universitätsklinik Kiel auf seelische Faktoren untersucht, die deren körperliche Genesung gehemmt oder gefördert haben könnten.
Zwei Tage nach der Klinikeinlieferung wurden die Patienten befragt, ob sie jemandem die Schuld an ihrem Unfall gäben. Patienten, die dies heftig bejahten und mit dem echt oder vermeintlichen Schuldigen bzw. ihrem Unglück haderten, benötigten im Durchschnitt 40 Tage Klinikaufenthalt. Patienten, die der Schuldfrage nur nebensächliches Gewicht beimassen und sich stattdessen bemühten, ihre Situation positiv zu beeinflussen, konnten im Durchschnitt nach 20 Tagen nach Hause entlassen werden.
Die Studie ist repräsentativ für den Gesamtzusammenhang zwischen sozialen Einstellungen und Gesundheitszuständen. Wer über andere richtet, klagt, ihnen Schuld zuweist und sie für seine Probleme verantwortlich macht, macht sich nicht nur unbeliebt, sondern vergeudet seine kostbare Energie. Er gewinnt dadurch keine Freunde und vereinsamt: eine ideale Konstellation für die Einnistung von Krankheiten.
Das Gegenteil des Richtens über andere ist die bewusste, aufmerksame Arbeit an der eigenen Ausstrahlung. Jeder Mensch strahlt etwas aus, selbst ohne den Mund zu öffnen. Seine Gesamterscheinung, Mimik, Gestik, Körperhaltung und vor allem sein Gesichtsausdruck erzählen eine Menge über ihn. Doch nicht nur dies. Die Ausstrahlung eines Menschen beeindruckt auch seine Mitmenschen im Umfeld und reisst sie mit - im positiven wie auch im negativen Sinn. Der Pessimist erzeugt eine nicht greifbare aber dennoch vorhandene sorgenbeladene Schwere, während der Optimist ein Klima des Aufatmens schafft. So haben Frohnaturen, die an hoffungsvolle Lösungen glauben, nach ihnen fahnden und sie vorbildlich verwirklichen, eine Anziehungskraft, die den "Unmutströpfen", die an allem zu meckern haben, vollkommen abgeht.
Wenn wir nun die Spur zurück zum Ursprung verfolgen, entdecken wir, dass alles mit dem Zauberwort Selbstverantwortung beginnt.
Jede Heilung beginnt ja bekanntlich mit dem Auflösen der Schuldzuweisungen - (auch sich selbst gegenüber) des Verzeihens. Wir wünschen Ihnen eine mit Verantwortung gespickte Zeit und ganz besonders viel Glück, Freude und Spass – bis nächste Woche.