Klatsch ist die Waffe von Menschen, deren Selbstwertgefühl aus dem Lot geraten ist. Wer negativ über andere spricht, um das eigene Selbstbild zu heben, schadet sich selbst am meisten. Diese Binsenwahrheit haben amerikanische Forscher mit einer Reihe von Studien bestätigt.
"Hast du heute Morgen auch bemerkt, wie sich unsere liebe Petra aus der Werbe-Abteilung wieder einmal aufgeführt hat? Das macht sie doch nur, um dem Chef zu imponieren. Und dann diese übertriebene Schminke und die viel zu tief ausgeschnittene Bluse, die sie heute wieder trägt. Das ist bestimmt der Grund, weshalb sie in das Führungs-Team aufgenommen worden ist und nicht wegen ihren Fähigkeiten.
Nichts ist anregender, bunter und spannender als Klatsch und Tratsch. Für manche ist es sogar das reinste Vergnügen, über Drittpersonen zu lästern und Gerüchte in die Welt zu setzen. Doch aufgepasst: Alles, was wir über andere sagen, fällt unweigerlich auf uns zurück. Zu dieser Erkenntnis gelangen amerikanische Forscher, die in ihren Studien auf das psychologische Phänomen "spontane Eigenschaftsübertragungen" gestossen sind. Eine bittere Konsequenz, deren wir uns ebenso wenig bewusst sind wie der wahren Gründe für unser Lästern.
Wenn wir schlechte Eigenschaften Dritter hervorheben, wollen wir im Grunde davon ablenken, dass unser eigenes Selbstwertgefühl aus Neid, Eifersucht oder Minderwertigkeitsgefühlen ins Wanken geraten ist. Anfänglich hat das Getratsche einen verbindlichen Effekt, und man fühlt sich durch die Aufmerksamkeit aufgewertet, denn die Zuhörer folgen den spannenden Stories nur zu gerne. Schon bald aber tritt nach einem solch "anregenden Gespräch" die Wende ein: Der Zuhörer begibt sich weg, macht sich seine eigenen Gedanken zum Gehörten und gelangt sehr oft zur Erkenntnis: "Wenn diese Person so über andere spricht, was wird sie über mich erzählen?"
Nach einer solchen Erfahrung werden wir der tratschenden Person künftig distanzierter und mit einem gewissen Unwohlsein begegnen. Statt der beabsichtigten Aufwertung hinterlässt man ein schlechtes Bild von sich selbst, wenn man über die negativen Eigenschaften eines Kollegen lästert. Die Zuhörer verbinden früher oder später genau diese Attribute mit dem Sprechenden. Tratsch hat laut Studie also "überraschende und unbeabsichtigte Wirkungen". Deshalb sollte einer, der über andere nichts Gutes zu sagen hat, lieber schweigen.
Im umgekehrten Falle funktioniert dieser unwillkürliche Transfer allerdings auch. Wenn ein Mensch jemanden als klug bezeichne, dann falle dieses Lob auf den Sprechenden zurück - diese Eigenschaften würden automatisch auch mit dem Lobenden verbunden.
Wer sich innerlich wertlos und leer fühlt, dass er glaubt, nur Kritik an anderen hebe sein eigenes Image, der sollte versuchen, einmal etwas Positives zu äussern. Gewiss - das ist für die Betroffenen ein schwieriger Schritt. Denn das Selbstwertgefühl wird schon in der Kindheit geschult. Wird ein Kind ständig erniedrigt, erfährt es wenig Liebe und Wärme, so fehlt ihm später die Achtung vor sich selbst und vor anderen. Und dennoch lohnt sich dieser Schritt. Je mehr Positives wir in einem anderen Menschen entdecken können, desto mehr werden wir uns über unsere eigenen positiven Eigenschaften bewusst. Das eigene psychische Wohlbefinden hebt sich spürbar, wenn man sich anderen Menschen gegenüber etwas positiver einstellt. Die innere Haltung und das wertschätzende Sprechen hebt auch die Selbstachtung. Und dann hat man es nicht nötig, sich und seine Mitmenschen durch Klatsch und Tratsch oder Gerüchte zu täuschen.
Gewiss - diese Tipps werden Menschen, die durch Klatsch und Tratsch Gerüchte verbreiten nur schlecht annehmen können, solange ihnen die Konsequenzen nicht bewusst sind. Deshalb wird es auch weiterhin Menschen geben, die darunter leiden. So kommen denn auch nicht Menschen an ein Persönlichkeitstraining wie das Flow, die das Wissen nötig hätten, sondern Menschen, die unter denjenigen leiden, die dieses Wissen dringend nötig hätten. Flow-Master hingegen lassen sich von Klatschis und Tratschis nicht die gute Laune verderben, denn niemand kratzt am Lack eines Flow-Masters.