Ich glaube nur was ich sehe - oder etwa doch nicht?

Wie oft hast du schon jemanden sagen hören, oder vielleicht sagst du das auch ab und zu: „Ich glaube nur, was ich sehe“. Wissenschaftliche Tatsache ist jedoch, dass wir nur sehen, was wir glauben. Wie denn das? Zunächst muss man verstehen, dass nicht unsere Augen sehen, sondern der hintere Teil des Gehirns, er heisst optischer Cortex und ist für das Sehen zuständig. Das ins Auge treffende Licht, egal ob direkt von einer Lichtquelle ausgehend oder von Gegenständen reflektiert, gelangt durch Hornhaut, Linse und Glaskörper auf die Netzhaut und wird dort von den Stäbchen und Zapfen wahrgenommen. Die dadurch erzeugten Signale werden über den Sehnerv an den optischen Cortex des Gehirns weitergeleitet und dort als Sinneseindruck verarbeitet.

Das Ganze kann man sich auch wie bei einer Kamera vorstellen. Das Licht wird über die Linse (Auge) aufgenommen und an den Film im hinteren Teil der Kamera (optischer Cortex) weiter geleitet. Unsere Augen sind nur das Objektiv, der hintere Teil des Gehirns aber sieht. Das Gehirn prägt sich Dinge ein, die es sehen kann. Das ist wichtig. Zum Beispiel sieht eine Kamera viel mehr als unser optischer Cortex, weil sie keine Einwände erhebt und keine Urteile fällt. Es ist also so, dass unsere Augen, die Kameras, mehr sehen können, als was unser Gehirn bewusst projizieren kann.

Unser Gehirn ist so verkabelt, dass wir nur sehen, was wir für möglich halten. Wir gleichen bereits in uns durch Konditionierungen bestehende Muster ab. Am besten kannst Du Dir das an Hand der kurzen Geschichte über die Eingeborenen einer Karibischen Insel, als sie die Schiffe von Kolumbus heran segelten, vorstellen.

Als Kolumbus mit seiner Armada in der Karibik landete, war keiner der Eingeborenen in der Lage, die Schiffe zu sehen. Obwohl sie auf dem Horizont existierten. Der Grund warum sie die Schiffe nicht sahen, war, dass sie im Gehirn kein Wissen, keine Erfahrung hatten, dass Klipper existierten. Der Schamane bemerkte Wellen draussen im Meer. Aber er sah kein Schiff. Er begann sich Gedanken zu machen, was den Effekt verursachte. Er begab sich jeden Tag raus und guckte. Nach einer Weile konnte er die Schiffe sehen. Nachdem er die Schiffe sehen konnte, erzählte er allen, dass dort draussen Schiffe existierten. Und weil ihm alle vertrauten und glaubten, sahen sie sie dann auch.

Wir erschaffen Realität. So gesehen, sind wir Realität produzierende Wesen. Wir produzieren die Wirkung der Realität immerzu. Wir nehmen etwas wahr, nachdem es im Spiegel des Gedächtnisses reflektiert wurde. Das Gehirn kennt keinen Unterschied zwischen inneren und äusseren Ereignissen. Das erfahren wir immer wieder auf eindrückliche Art und Weise am Feuerlauf. Wer noch nie einen Feuerlauf selber erlebt hat, muss, um seine Realität zu schützen, immer wieder auf Erklärungsgrundlagen zurückgreifen, die er schon kennt. So hat er eine Erklärung und das beruhigt ihn dann, indem er sich sagt; „Ich glaube nur was ich sehe“, aber in Wirklichkeit sieht er auch nur das, was er glaubt.

Zu diesem Thema haben wir für dich ja bereits eine Geschichte in unserer Geschichtenbox mit dem Titel: „Die alles entscheidende Frage“. Es lohnt sich, diese Geschichte ergänzend zu dieser Inspiration anzuhören – viel Spass dabei.